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Fundamentalismus

Was Kluges von Willigis Jäger:

Fundamentalismus ist der Sieg der Angst über einen nicht mehr kontrollierbaren Fortschritt. Er versteht sich als die eine »Wahrheit«, die nicht mehr hinterfragt werden darf, und missachtet die Erkenntnisse der heutigen Wissenschaft. Dieser Fundamentalismus ist in allen Religionen zu finden. Er bedroht die Freiheit des Menschen und auch die Freiheit der Veränderung. Er ist in der katholischen Kirche genauso zu Hause wie in anderen Religionen. Dem Mündigwerden der Christen steht im Fundamentalismus eine Art Kindertrotz gegenüber, der sich weigert, erwachsen zu werden. Die Märtyrerideologie der jungen Muslime, die sich in die Luft sprengen, um sofort ins Paradies zu kommen und auch andere zu retten, stellt eine extreme Form des weltweit neu erwachenden Fundamentalismus dar. Während der Opfertod Jesu von den Theologen längst relativiert wurde, wird er in den Gemeinden noch immer verkündet. […] Paulus durfte noch sagen: »Unser Wissen ist Stückwerk.« Damals gab es noch keine absolute Wahrheit und kein unfehlbares Lehramt.

Stammt aus einem Büchlein von 2012.

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Unterschiedliche Maßstäbe

Auf der Konferenz erzählte jemand vom Titelbild des Programmheftes. Es entstand bei einer Demo an so einer Sammelunterkunft im Nirgendwo. Ein Teilnehmer meinte, es sei eine erfolgreiche Demo gewesen – es sei niemand erschossen worden.

Nature vs. Nurture

Passt alles zusammen. Dieser Teil aus Zeitgeist3 erscheint mir schlüssig. Die menschliche Natur besteht darin, bestimmte Bedürfnisse zu haben. Menschen, die vor ihrer Geburt oder in frühester Kindheit erlebt/gelernt haben, dass das Leben ziemlich hart ist, tendieren eher zu destruktiven Bedürfnisbefriedigungsstrategien (Abhängigkeit bzw. Gewalttätigkeit), als solche Menschen, die ihr Leben in Geborgenheit beginnen.
Vielleicht sind die ganzen Meditationstechniken und spirituellen Praxen Wege/Versuche die Dämonen der frühen Kindheit zu besänftigen.

Umvolkung

Die Ausstellung Klimagewalten findet Hinweise darauf, dass es auch früher schon Umvolkungen gegeben hat.
So wurde etwa Europa vor 34 Millionen Jahren während der Grande Coupure von asiatischen Horden überrollt:

NEUES TRIFFT AUF ALTES
Aufgrund der geografischen und klimatischen Umwälzungen vollzog sich in der Säugetierwelt Europas ein markanter Umbruch. So verdrängten nach der Verlandung der Turgal-Meeresstraße asiatische Arten viele ansässige Formen, die letztlich ausstarben. Unter den Kleinsäugern erschienen in Europa erstmals moderne Nagetiere (Hamster, Biber, Hörnchen). Die Beuteltiere, die Insektenfresserfamilie Nyctitherndae und die Nagerfamilien Pseudosciuridae und Gliridae (Schliefer) überlebten hingegen. Offenbar hatten sie unter den Neuankömmlingen keine Konkurrenten.

Und vor 20 Millionen Jahren wurde Europa von afrikanischen Rüsseltieren überrannt:

ARTENAUSTAUSCH ZWISCHEN AFRIKA UND EURASIEN
Aufgrund geologisch-klimatischer Veränderungen entstand vor etwa 20 Mio. Jahren (frühes Miozän) eine Landbrücke von Afrika über die arabische Halbinsel nach Eurasien. Auf diesem Wege gelangten einige afrikanische Arten (Afrotheria) nach Eurasien, z.B. die Rüsseltiere. Viel mehr Arten jedoch gingen den umgekehrten Weg. Diese modernen Säugetiere aus dem eurasisch-nordamerikanischen Raum erreichten Afrika in großer Zahl und verdrängten die dort ansässige Tierwelt. Von den altafrikanischen Arten überlebten bis heute nur die Elefanten und Klippschliefer. Die für uns typischen Tiere der afrikanischen Savannen – Zebras, Antilopen, Löwen etc.- stammen ursprünglich aus Europa, Asien oder Amerika (Pferd).

Plenzdorf

Plenzdorf

Bei Radio Corax auf ein Zitat von Ulrich Plenzdorf gestoßen. Walter Böhme zitiert aus Beatrice von Weizsäckers Buch „Die Unvollendete – Deutschland zwischen Einheit und Zweiheit“ von 2010:

Im Oktober 1990 folgte der Beitritt, und vorbei war es mit dem Interesse an östlichen Andersdenkenden. Das aufgestoßene Fenster war wieder zu, der aufrechte Gang gebrochen. […] »Der Mut und die Lust, mitzusprechen in der verei­nigten Demokratie, ist denen im Osten rasch wieder aus­getrieben worden«, brachte es Gunter Hofmann von der Zeit später treffend auf den Punkt. Christa Wolf beispielsweise habe sich »von den Belehrungen aus dem Westen bis heute nicht recht erholt«. Christa Wolf war vielleicht die Bekannteste, der es so ging, aber bei weitem nicht die Einzige.
[…] Schriftsteller hatten keine Lektoren mehr und schon gar keine Kritiker. Selbst Autoren wie Ulrich Plenzdorf, der zur Zeit der Teilung im Westen noch als Kronzeuge des östlichen Aufbegehrens gefeiert worden war, resig­nierten bald. Plenzdorfs westdeutscher Verlag verlor das Interesse an ihm, später lehnte auch das Femsehen seine Drehbücher immer wieder ab. »Ich habe die Auseinan­dersetzung über die Deutungshoheit östlicher Schicksale glatt verloren«, sagte er 2003, wenige Jahre vor seinem Tod, verbittert in einem Interview.
Der gesamten DDR-Kunst sei vorgeworfen worden, sie habe dem Staat gedient und das Unrechtsregime un­terstützt, resümiert die Publizistin Dahn in ihrem Buch »Wehe dem Sieger!« – »ob Malerei, Literatur, Film oder Theater«. Wie weit die Verachtung alles Östlichen ging, beschreibt sie an einem Beispiel, das im Westen kaum bekannt ist. Eine halbe Million druckfrischer Bücher wurden »an der Peripherie der Bücherstadt Leipzig auf Müllkippen entsorgt« – Klassiker, Werke antifaschis­tischer Exilanten, wissenschaftliche Literatur, Bildbände, sogar Noten von Bach. Sie alle wurden »zu Abfall degra­diert«, nur weil sie in der DDR gedruckt worden waren. Es war der westdeutsche Pfarrer Martin Weskott, der dies entdeckte und einen Großteil der Bücher rettete.“ (S.48-50)

Passt gut zu Auslöschung der DDR.

Bildquelle: Wikimedia Commons

Hexen und Vaterlandsverräter

Damals als die Existenz des Teufels ein gesamtgesellschaftlicher Konsens war und alle an Gott glaubten, wurden immer mal Hexen verbrannt. Das erscheint uns heute ziemlich barbarisch und unaufgeklärt.

Heute, wo die Existenz von Gender, Familie und Nation gesamtgesellschaftlicher Konsens ist und alle an den Kapitalismus glauben…