Noch mehr eigenartige Sprachregelungen

Der Weihnachtsmann bringt die Geschenke, der Klapperstorch bringt die Kinder, und

„Neues Jahr bringt neue Regelungen“

Nicht etwa die Regierung, der Staat (das Machtinstrument der jeweils herrschenden Klasse, wie es mal so treffend hieß)

Dann ändert sich noch das Wetter, die Haare fallen aus, die Kinder werden größer, und

„Wie jedes Jahr ändert sich auch 2011 für Verbraucher und Arbeitnehmer einiges“

Passivorgie

In einem Traktat aus Passivsätzen erklärt Galaxo, die Kinderbeilage meiner Heimatzeitung, den Holocaust:

Die Zeit des Holocaust passierte vor mehr als 65 Jahren im Zweiten Weltkrieg. Damals wurden viele Millionen Menschen in  Deutschland verfolgt und getötet. Diese Menschen waren vor allem Juden. Ihre Religion war das Judentum.

Dass die Religion der Vergasten keinen Rolle spielte, müssen Kinder nicht wissen. Doch halt, es gibt auch Täter, ratet mal wer:

Zu dieser Zeit war in Deutschland Adolf Hitler an der Macht. Viele Menschen in Deutschland dachten damals, dass er Gutes tun würde. Doch er war ein grausamer Herrscher. Er sorgte zum Beispiel dafür, dass Millionen Menschen unter seiner Regierung gequält und getötet wurden.

Vom Kunde zum Knecht II

Und natürlich ist das ganze aus dem letzten Post nur ein Lamenti der zahlungsfähigen Konsumenten. Die Welt der lausig bezahlten Hivijobs bleibt natürlich bestehen. Das Lied der Stimmungshochhalter bringt es auf den Punkt:

Kofferträger, Türaufhalter, Unterschergen, Schwundverwalter.
Stimmungshochhalter, Subpächter, Unterschergen, Wachhundwächter.
Liftboys, Schuhputzer, Untertanmädchen, Subunternutzer.
Zugeherinnen, Wachhundhalter, Parkplatzwächter, Steigüberbügelhalter.
Training in Unterwerfungskompetenz.
Mit Aussicht auf Laufburschenschaft.
Die, denen sie das Lächeln auf harten Wartebänken in Serviceagenturen
in Gesichtszüge renken. Täglich bücklings im Flur von Raststättentoiletten,
läßt sich Demut üben und ein Rest-Hoffnung retten auf:
Aufnahme in Laufburschenschaft.
Ich weiß, ich muss flexibel sein nach Überprüfung der Unterwerfungskompetenz.

voller Textzum hören

Vom Kunde zum Knecht

Beim Rumlesen über Crowdsourcing lief mir ein Zeitartikel über den Weg:

Die Wege zur Knechtschaft sind vielfältig. Am Bahn-Automaten verkaufen wir uns Fahrkarten, wir buchen unsere Flugtickets im Internet, bevor wir uns am Check-in-Center des Flughafens unsere Gepäckaufkleber selbst ausdrucken und die Koffer aufgeben. Stets sind es nur wenige Augenblicke, ein paar Handgriffe – die uns aber früher jemand abnahm. Jetzt spendieren wir unser kostbarstes Gut: Zeit. Wir machen sie zur Arbeitszeit, die mit keiner Gewerkschaft ausgehandelt wird. Die keine Stechuhr misst und für die auch keine Sozialbeiträge entrichtet werden.

»McDonaldisierung der Gesellschaft« nannte es der US-Soziologe George Ritzer, als er das Phänomen Anfang der neunziger Jahre zum ersten Mal entdeckte. Damals ahnte er, dass große Teile unseres Alltags bald einem Fast-Food-Restaurant ähneln würden, in dem die Kunden alles selber machen: Wir bestellen am Tresen, zapfen die Getränke, bringen alles an den Tisch und räumen hinterher brav ab. Wären Becher und Hamburger-Schachteln nicht aus Pappe, würden wir sie wahrscheinlich auch noch abspülen.

Ich bin ein Franzose

Aus „Der kommende Aufstand„:

Es gibt in Frankreich keine verworrenere Frage als die der Arbeit, es gibt keine verdrehtere Beziehung als die der Franzosen zur Arbeit. Geht nach Andalusien, Algerien oder Neapel. Dort verachtet man die Arbeit im Grunde. Geht nach Deutschland, in die USA oder nach Japan. Dort wird die Arbeit verehrt. Die Dinge ändern sich, das ist wahr. Es gibt sehr wohl auch Otaku in Japan, Glückliche Arbeitslose in Deutschland und Workaholics in Andalusien. Aber die sind zur Zeit nur Kuriositäten. In Frankreich reißt man sich Arme und Beine aus, um in der Hierarchie aufzusteigen, aber im Privaten rühmt man sich, nichts zu tun. Man bleibt bis um zehn Uhr abends auf der Arbeit, wenn man überfordert ist, aber man hat keine Skrupel, dort Büromaterial zu klauen oder sich bei den Waren im Lager zu bedienen und diese bei Gelegenheit zu verkaufen. Man hasst die Chefs, will aber um jeden Preis Angestellter sein. Eine Arbeit zu haben ist eine Ehre und arbeiten ein Zeichen der Unterwürfigkeit. Kurz: das perfekte Krankheitsbild der Hysterie. Man liebt, indem man hasst, und man hasst, indem man liebt. Und jeder weiß, welche Verblüffung und Verwirrung den Hysterischen schlägt, wenn er sein Opfer, seinen Herrn verliert. In den meisten Fällen erholt er sich davon nie wieder.