Wladimir Kaminer in Bad Elster

Das geistert mir immer noch im Kopf rum von der Lesung mit Wladimir Kaminer:

Er hat erst in Deutschland Donkosakenchöre kennengelernt, dafür gebe es in Russland so bayrische Folkloregruppen, die er so in Deutschland noch nicht gesehen habe.

Und dann noch die mongolische Übersetzung von Marx‘ Kapital. Die Sprache so einer Nomadengesellschaft tat sich ziemlich schwer mit dem Thema. Es mussten allerlei neu Wörter erfunden werden: Erdmelker für Bauer und Maschinenlenker für Arbeiter.

Schlauer Spruch?

Der Herr Kierkegaard sagt:

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.

Ja nun, das haben die Soziologen auch rausgefunden, dass die Leute in Gesellschaften mit geringem Wohlstandsgefälle zufriedener sind. Da gibts nichts zu vergleichen. Die Indianer mit ihren Schenkorgien haben sogar inverse Bereicherungsrituale. Schwierig wirds, wenn ich den Spruch nehme zum Akzeptieren von Unterschieden – dann bin ich schnell bei Karma und natürlichen Rangordnungen.

Schulgedöns

Reinhard Kahls überragender Film darüber, wie Schule auch bei uns gelingt.

Besonders hübsch der Herr von McKinsey, der nach den selbstmotivierten Kreativzombies kräht, die sich freudvoll selbst ausbeuten. Das ist schon ein Dilemma – weder moderner Kapitalismus noch Kommunismus können mit braven Lemmingen, die gut am Fließband funktionieren, was anfangen.

Wenn zwei das selbe machen…

Im Rahmen des Alternativen Vorlesungsverzeichnis läuft bei mir so eine Reihe zu Queer Studies. Letztens gab es: Unlikely Couples? Queere Inszenierungsstrategien und maskulinistische Musik-Subkulturen. Es ging so um martial industrial wie Blutharsch oder Feindflug oder extreme metal wie Cradle of Filth.

Ausgangspunkt waren die queeren Inszenierungsstrategien:

  • Überzeichnung (das Überzeichnen femininer Klischees bei drag queens)
  • Rekonstektualisierung (etwa Brusthaare + BH)
  • Ironie/Parodie
  • Uneindeutigkeit (optische Verwischung wie bei drag kings)

und die dabei postulierten Wirkmechanismen Transgression, Provokation und Tabubruch.

Na gut. Nun stellte sich aber heraus, dass ähnliches auch für die erwähnten Musiksubkulturen gilt, die mit Naziästhetik und extremen Männlichkeitswahn kokettieren.

Und jetzt fand die Referentin aber ein Problem. Zwar könne man nun sagen Queer-Aktivisten und Dark-Metal-Musiker hätten unterschiedliche Motive für das, was sie tun und dann sind die einen wieder die Guten und die anderen die Bösen. Aber nun postuliert die Queer-Theorie-Ikone Judith Butler aber gerade Subjektivität als diskursives Konstrukt, damit sind Motivation oder Intension wieder raus – und dem „gesunden Menschenverstand“ zuwiderlaufende Verwirrungen entstehen.

Umgrünung

Und wenn da der Plan ist, aus einer 20 Jahre alten Industriebrache einen Park zu machen, dann heißt es vor dem Bäumepflanzen als allererstes Bäume fällen.

Bäume einpflanzenBäume ausreißen