Facebook und die ARD

Ach, ich weiß auch nicht, die DOKU war typisch ARD.
Wie genau Facebook jetzt mein Profil auswertet, weiß ich immer noch nicht. Da amüsiere ich mich eher in meinem Profil darüber, dass Facebook nicht so recht weiß, welche Werbung es bei mir schalten soll. Die einzige Invariante ist Bauchfett und Fitness (über 40, männlich)
Noch schräger die Empörung darüber, meine Daten, zu Geld zu machen. Da gibt es Unternehmen, die verdienen an mir, weil ich nicht nur Livemusik konsumieren will, da gibt es Unternehmen, die verdienen an mir, weil ich keine Zeit und keine Lust habe, meine Ortsveränderungen zu Fuß vorzunehmen. Da gibt es eine ganze Branche, die an mir verdient, weil ich ein paar Wochen im Jahr woanders sein will. Und jetzt ist dem Herrn Zuckerberg noch was Neues eingefallen – wie verwerflich.

Fundstücke

Irgendwann war ich mal weinerlich und grämte mich, ob mir die Finanzkrise wohl meine Ersparnisse rauben würde oder ob ich unter Bedingungen zusammengebrochener Infrastruktur weiterleben müsse. Da lief mir so ein Spruch über den Weg:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Dietrich Bonhoeffer, zum Jahreswechsel 1944/45, wenige Monate vor seiner Ermordung

Und andererseits war es die Rote Armee unter Stalin, die den Deutschen mit/unter Hitler Einhalt gebot und nicht die Weiße Rose oder Stauffenberg.

Faschismus als Sinnstiftung

Peter Handke in „Wunschloses Unglück“ über seine Mutter, Jg. 1920, wie sie den Anschluss Österreichs 1938 erlebte:

»Wir waren ziemlich aufgeregt«, erzählte die Mutter. Zum ersten Mal gab es Gemeinschaftserlebnisse. Selbst die werktägliche Langeweile wurde festtäglich stimmungsvoll, »bis in die späten Nachtstunden hinein«. Endlich einmal zeigte sich für alles bis dahin Unbegreifliche und Fremde ein großer Zusammenhang: es ordnete sich in eine Beziehung zueinander, und selbst das befremdend automatische Arbeiten wurde sinnvoll, als Fest. Die Bewegungen, die man dabei vollführte, montierten sich dadurch, daß man sie im Bewußtsein gleichzeitig von unzähligen anderen ausgeführt sah, zu einem sportlichen Rhythmus – und das Leben bekam damit eine Form, in der man sich gut aufgehoben und doch frei fühlte.

Ach, wie ich es kenne, dieses wohlig-warme, elektrisierende Wir-Gefühl. Bei der Sitzblockade, beim Arbeitseinsatz, beim Umzug aus einer ungeliebten Wohnung in eine schönere. Wir schaffen etwas gemeinsam. Und es ist gut. (Und die Prüfung, ob es gut ist, ist recht oberflächlich, kommt in der Euphorie zu kurz.)