Archiv für den Monat Dezember 2005

Was ist eine Revolution

Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotive der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zug reisenden Menschengeschlechtes nach der Notbremse.
Walter Benjamin

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Paul Lafargue

Paul Lafargue schrieb schon 1893:

„Priester, Ökonomen und Moralisten haben die Arbeit heilig gesprochen.“ Und: „Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse aller Länder, in denen die kapitalistische Zivilisation herrscht. Diese Sucht, die Einzel- und Massenelend zur Folge hat, quält die traurige Menschheit seit zwei Jahrhunderten. Diese Sucht ist die Liebe zur Arbeit, die rasende, bis zur Erschöpfung der Individuen und ihrer Nachkommenschaft gehende Arbeitssucht.“

oder auch:

…Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen…

A-Leute und B-Leute

Hans-Peter Gensichen schreibt in Uckermark – Ein Zukunftsroman:

Neue Lebensentwürfe in einer schrumpfenden Gesellschaft, kommen vorrangig aus dem A-Bereich, nicht von den B-Leuten: Beamten, Besserverdienenden, Betuchten, Bildungsbürgern.
A = Arbeitslose, Alte, Arme, Auszubildende, Ausländer, Aussteiger.
Die B’s versuchten ja immer noch, ihren Besitzstand – wieder ein B – zu sichern. Doch dabei fällt keinem etwas Zukunftsfähiges ein.

Eine aktuelle Variante der Story vom Reichen und dem Nadelöhr.

Der reiche Jüngling

Die Story ist immer wieder gut, auf dass sich der fettgefressene, selbstmitleidige, mid-life-crisige Sack selbst beweine:

Und siehe, einer trat zu ihm und fragte: Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe? Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich nach dem, was gut ist? Gut ist nur Einer. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote. Da fragte er ihn: Welche? Jesus aber sprach: «Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; ehre Vater und Mutter» und: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst». Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten; was fehlt mir noch? Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach! Als der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt davon; denn er hatte viele Güter.
Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.

JamtliMuseum Schweden

Dann waren wir noch im Jamtli-Museum von Östersund in Schweden. Es ging unter anderen um die christlichen Siedler, die aus dem Süden in den Norden vordrangen und die Sami verdrängten.

  • So eine Bauernwirtschaft war mit 4-5 Kindern ökonomisch stabil, Bevölkerungsexplosion vorprogrammiert.
  • Es gab durchaus eine ganze Menge 90-jährige.
  • Zur Altersvorsorge gab’s irgendwann einen Altersvertrag zwischen den Eltern und dem Kind, das den Hof erbte.

Zyklische Globalisierung

Auf Corax gab es eine Buchbesprechung zu „Forces of Labor“ von Beverly J. Silver. Globalisierung und Protestbewegungen wurden in einem Zeitrahmen von 130 Jahren betrachtet. Die Grundthesen waren die folgenden:

  • Globalisierung gibt es schon immer und sie verläuft zyklisch.
  • Die Aktivität von Arbeiterprotesten schwankt in ihrer örtlichen Intensität. Mal brodelt es in Europa, mal in Südamerika.
  • Das Kapital zieht sich in bestimmten Gebieten immer mal aus der Produktion zurück.

Also alles in Butter, alles im Fluss, völlig normal wenn auf einer Ecke der Welt der Kampf gegen das Kapital mal für ein paar Jahrzehnte etwas kläglich ausfällt. Bei der heutigen Lebenserwartung kommen ja vielleicht noch bessere Zeiten.