Folgen des Social Distancings

In der TAZ ein Gespräch mit Hartmut Rosa.

Was nach einer Woche noch hängengeblieben ist: Die Idee von der sozialen Interaktion, die wir als Menschen brauchen. Wenn ich mir vorstelle, dass Menschen noch gar nicht so lange sprechen können, dann wird klar, dass wir „Fühler“ haben, um in der Interaktion mit 20 oder 30 Leuten gleichzeitig klarzukommen. Fällt dieser simultane gleichzeitige Kontakt weg, ist das genauso dramatisch wie absolute Stille, Schwerelosigkeit oder Dunkelheit. In VorCoronaZeiten gab es da die Überlegungen zur „Berührungslosen Gesellschaft“ – SocialDistancing setzt noch einen drauf.

Vor diesem Hintergrund erscheint mir der (mein) exzessive(r) Konsum von sozialen Medien (DoomScrolling) als Ersatz für soziale Interaktion.

Und mir fallen die „Empathischen Halluzinationen“ ein, die ich vor 10 Jahren mal hatte. Nachdem ich dieses Textchen jetzt nochmal gelesen habe, fällt mir natürlich auf, dass das TAZ-Interview aus einer westlichen atomistischen Sichtweise heraus geschrieben wurde: Das Ganze besteht aus Teilen. Die Gesellschaft besteht aus Menschen. Wenn wir die andine Brille der indigenen Südamerikaner aufsetzen, dann besteht das Ganze, die Gesellschaft aus Beziehungen, deren Knoten die Dinge, die Menschen sind. Wenn es keine Beziehungen, Kontakte, Berührungen mehr gibt, gibt es keine Knoten, also auch keine Menschen mehr, was bleibt sind entmenschte Körper….