Die letzten Tage der Menschheit

Da habe ich aber Glück gehabt, dass mir in Berlin „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus geboten wurden. Da weiß ich jetzt ein wenig von wem Gremliza & Co immer raunen, wo Ebermann&Trampert ihre Methode der Zitatencollage herhaben. Und die Inszenierung schlägt zornig den Bogen ins heute:

So nebenbei haben drei Darsteller auf dem Rücken die drei Losungen „Gott bestrafe England“, „Fremd im eigenen Kiez“ und „Multikulti ist gescheitert.“ Später kommen noch „Keine Macht den Drogen“ und „Theater muss sein“ hinzu.

Am Schluss noch so eine garstige Tirade gegen den „Sinn“ aus dem Subito-Text von Karl Goetz, den ich nur als Ausschnitt bei shifting reality gefunden habe:

„Wir brauchen keine Kulturverteidigung. Lieber geil angreifen, kühn totalitär roh kämpferisch und lustig, so muß geschrieben werden, so wie der heftig denkende Mensch lebt. Ich brauche keinen Frieden, weil ich habe den Krieg in mir. Am wenigsten brauche ich Natur. Ich wohne doch in der Stadt, die wo eh viel schöner ist. Schaut euch lieber das Fernsehen an. Wir brauchen noch mehr Reize, noch viel mehr Werbung Tempo Autos Modehedonismen Pop und nochmal Pop. Mehr vom Blauen Bock, mehr vom Hardcoreschwachsinn der Titel Thesen Temperamente Und Akzente Sendungen. Das bringt uns allabendlich in beste Trinkerlaune. Nichts ist schlimm, nur die Dummheit und die Langeweile müssen noch vernichtet werden. So übernehmen wir die Weltherrschaft. Denn alles alles alles geht uns an.“

Auf dem Heimweg wurde mir ganz beschwingt zumute.

Alles beim Alten

Die Zeit fragt: Hat der Protest in Deutschland eine neue Qualität?

Weder hat der Bürger jetzt erst das Demonstrieren gelernt – der Politikwissenschaftler Max Kaase sprach schon 1982 von der „partizipatorischen Revolution“ – noch ist er plötzlich per se ein Aktivist. Wäre dem so, müssten Millionen gegen die Gesundheitsreform aufbegehren, gegen die Gerechtigkeitslücke oder gegen die Bildungsmisere. Allein: das passiert nicht. Demonstriert wird in Deutschland, wo Partikularinteressen oder Ängste von der Politik unterdrückt werden. Und das schon immer. (Markus Horeld)

Menschenrechte

Galaxo, die Kinderzeitung der Mitteldeutschen Zeitung, erklärt auf Seite 3:

Menschenrechte sind Rechte, die alle Menschen auf der Welt haben sollen. Das heißt: Niemand darf zum Beispiel schlecht behandelt werden, nur weil er eine andere Hautfarbe hat, an einen anderen Gott glaubt oder eine andere Meinung hat. Doch nicht in allen Ländern werden die Menschenrechte auch genug beachtet.

Die … Regierung ist dagegen richtig sauer. Sie sagt: Er ist kriminell und wurde verurteilt, weil er gegen Gesetze in … verstoßen hat.

Spontan fiel mir der Mann ein, dem die Polizei die Augen intensivst gespühlt hat, weil er mit Kastanien geschmissen hat. Und überhaupt ist kein Gott auch ein Gott?

P.S. Es geht natürlich um China und nicht um Deutschland. Deutschland hat schließlich eine demokratisch gewählte Regierung und da ist es etwas anderes, wenn „Menschen eine andere Meinung“ haben.