2015 & 2020

2015

  • Phase1 – In einem Anfall von Menschlichkeit und Vernunft wird beschlossen ca. 1 Million Geflüchtete aufzunehmen.
  • Phase2 – Oh, das ist anstrengend. Es gibt immer mal Probleme. Merkel muss weg.

2020

  • Phase1 – In einem Anfall von Menschlichkeit und Vernunft wird „FlattenTheCurve“ beschlossen, um hunderttausende Tote zu vermeiden.
  • Phase2 – Oh, das ist anstrengend. Es schadet der Wirtschaft. Sollen wir nicht doch lieber mehr Leute sterben lassen.

 

Kausalität, Corona & das Klima

Eine Folie aus einer Vorlesung von Ingo Rechenberg zeigt sehr schön den Unterschied von starker und schwacher Kausalität.

Wenn nun Leute sagen, Corona sei so ähnlich wie gewöhnliche Grippe, dann unterstellen sie starke Kausalität. Ein bisschen ansteckender und ein bisschen tödlicher – was soll da schon passieren. (wobei es hier noch nicht mal um Chaos geht sondern nur um die Exponentialfunktion)

Und Leute, die sagen, ein bisschen mehr Kohlendioxid in der Luft oder eine etwas höhere Temeperatur – was soll da schon passieren- auch die bewegen sich in ihrem Denken auf dem sicheren Boden der starken Kausalität.

Wahrscheinlich ist starke Kausalität auch das einzige, was wir wirklich intuitiv begreifen können. Deterministisches Chaos und Exponentialfunktion widersprechen dem „gesunden Menschenverstand.“

Kapitalismus & Corona

Das ist schon verrückt. Eine Maschinerie aus Bäckereien, Kläranlagen, Kneipen, Schulen, Schuhfabriken, Eisenbahnen, … Diese Maschine stellt alle Güter her, die wir brauchen. Und jetzt muss die Maschine mal kurz zwei oder drei Wochen stillstehen. Eigentlich kein Problem. Aber jetzt passiert etwas ganz eigenartiges. Manche Betriebe können nicht stillstehen, weil dann Kredite nicht zurückbezahlt werden können. Das erklär mal einem Marsmenschen oder Neanderthaler.

Schicksal 2.0

Früher hat uns Gott geleitet. Dämonen, Engel oder Teufel hatten ihre Hand im Spiel. Karma, Schicksal, Vorsehung,…

Heute ist das anders. Da ist es die schwere Kindheit oder die zu behütete. Die armen oder reichen Eltern. Die zu vielen oder zu wenigen Geschwister. Die Gene. Die Wende. Die transgenerationalen Traumata…

Oder wie es Enzensberger 1993 formulierte:

Die neuen Vormünder nehmen in ihrer grenzenlosen Gutmütigkeit den Verirrten jede Verantwortung für ihr Handeln ab. Schuld ist nie der Täter, immer die Umgebung: das Elternhaus, die Gesellschaft, der Konsum, die Medien, die schlechten Vorbilder. Jedem Totschläger wird gewissermaßen ein Multiple-Choice-Fragebogen ausgehändigt, den er, zu seinem eigenen Besten, auszufüllen hat: Mama wollte mich nicht; ich hatte allzu autoritäre / allzu antiautoritäre Lehrer; Papa kam besoffen / nie nach Hause; die Bank hat mir zu viel Kredit gegeben / mein Konto gesperrt; ich wurde als Kind / Schüler / Lehrling / Angestellter verwöhnt / zurückgesetzt; meine Eltern haben sich zu früh / zu spät scheiden lassen; es gab in meiner Umgebung keine ausreichenden / zu viele Freizeitangebote. Deswegen ist mir nichts anderes übrig geblieben, als eine Brandstiftung / einen Raub / ein Attentat / einen Mord zu begehen (Zutreffendes bitte ankreuzen).
Hans Magnus Enzensberger, Aussichten auf den Bürgerkrieg, Frankfurt Main, 1993, S.37