Umweltzerstörung bei Platon

Das mit der Umweltzerstörung geht schon länger. Plato (400 B.C.) erzählt von früher:

„Damals aber, als es noch unversehrt war, waren seine Berge hoch und mit Erde bedeckt, und ebenso waren seine Ebenen, welche jetzt als Steinboden bezeichnet werden, voll fetter Erde; auch trug es vieles Gehölz auf den Bergen, von welchem es auch jetzt noch deutliche Spuren gibt. Denn von den Bergen bieten zwar einige jetzt nur noch den Bienen Nahrung dar; es ist aber noch nicht gar lange Zeit her, als noch Dächer, welche aus den Bäumen verfertigt waren, die man dort als Sparrenholz für die größten Gebäude fällte, unversehrt dastanden. Es gab aber auch noch viel andere hohe Bäume, und zwar Fruchtbäume, und für die Herden brachte das Land unglaublich reiche Weide hervor. Ferner genoß es einer jährlichen Bewässerung von Zeus und verlor diese auch nicht wieder, wie jetzt, wo sie von dem dünnen Fruchtboden ins Meer abfließt; sondern wie es diesen damals reichlich besaß, so sog es auch den Regen in ihn ein und bewahrte ihn in einer Umschließung von Tonerde auf, indem es das eingesogene Wasser von den Höhen in die Tiefen hinabfließen ließ, und bereitete so an allen Orten reichhaltige Quellen und Flüsse, von denen auch noch jetzt da, wo einst ihre Ursprünge waren, heilige Merkzeichen für die Wahrheit meiner gegenwärtigen Erzählung über unser Land geblieben sind.“

Platon:Kritias

Wenn man den Künstler kennt…

So eine Videoinstallation im Keller des Volksparks. „ecken lecken“ von Jonathan Steffens. Ich kenne Jonathan aus einer kurzen gemeinsamen Zeit in einem Wohnprojekt. Es ist immer etwas anderes, angenehm besonderes, Kunst von jemandem „zu konsumieren“, den man zumindest flüchtig kennt.

Dieses Besondere passt zu Walter Benjamins „Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit“ und seiner These, dass das Kunstwerk mit seiner Reproduzierbarkeit seine Aura verliert.

Für mich erhält ein Kunstwerk, dessen Erschafferin ich auch nur flüchtig kenne, einen Teil seiner Aura zurück. Es ist sicherlich auch die Anonymität der bürgerlichen Gesellschaft, die dazu führt, dass sich Kunst wesentlich verändert.

Auf der einen Seite Mammutkonzerte mit Viedeoleinwänden – auf der anderen Seite kleine intime Veranstaltungen mit Leuten aus der eigenen Stadt. Oder Unterrichten als eine Art Schauspielerei vor über Jahre stabilen Publikumsgruppen.

Wie sähe Kunst in einer emanzipierten Gesellschaft aus? Was macht es mit Kunst, wenn es für die Künstlerin selbstverständlich ist, Kunst für Fremde zu machen. Theaterleute kennen das und denken schon lange über die Vierte Wand nach.

Grüße von Augusto Boal und seinem Theater der Unterdrückten.

FFF als Bildungsbürgerkinder

Unter dem Abschnitt Bildungsbürgertum im 21. Jahrhundert findet sich auf Wikipedia:

Aus dem Milieu einer gebildeten, sozial gesicherten und urbanisiertenMittelschicht heraus werden Positionen vertreten (Stichwort Fridays for Future), die von Moralismus geprägt sind, während Dienstleistungsproletariat, prekäre Selbständige, „niederkonkurrierte Verbitterte“ aus der Mittelschicht sowie unterversorgte ländliche Bevölkerung von Existenzängsten geplagt werden, die durch sozioökonomische Veränderungen wie Deindustrialisierung, Globalisierung der Arbeitsmärkte, Digitale Fabriken, Lohndumping, Landflucht oder auch persönliche Umstände wie Trennung oder Überschuldung verursacht werden.

Klimaaktivistînnen & Co. als die letzten Nachfahren von Aufklärung und Humboldtschen Bildungsideal, diejenigen bei denen Schulbildung angekommen ist:

„Zum Weltbürger werden heißt, sich mit den großen Menschheitsfragen auseinanderzusetzen: sich um Frieden, Gerechtigkeit, um den Austausch der Kulturen, andere Geschlechterverhältnisse oder eine andere Beziehung zur Natur zu bemühen.“[

Welche Bedeutung hat das Humboldt’sche Erbe für unsere Zeit?

Das erklärt die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Weltrettungsaktivistînnen und dem „Rest“. Ja, die Fakten um den Klimakollaps stimmen. Aber der Aktivismus speist sich nicht aus objektiver Notwendigkeit sondern aus dem Moralismus der Privilegierten.

Gelassenheitsgebet2

Wikipedia schreibt:

Im Deutschen bekannt ist die Version:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Niebuhrs Gebet bat ursprünglich zuerst um Mut, und zwar um Dinge zu ändern, die geändert werden müssen und nicht nur geändert werden können:

Father, give us courage to change what must be altered, serenity to accept what cannot be helped, and the insight to know the one from the other.

In Zeiten von Klimakollaps, Krieg und Pandemie sollte es heißen:

Gott (oder wer auch immer), gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die geändert werden müssen,
und die Weisheit, zu erkennen, das Naturgesetze nicht geändert werden können.

Ist die BewegungHalle rechts?

Nein. Aber. Eine kommentierte Linksammlung:

  • Die Webseite der Bewegung Halle  hat unter Leitbild schöne Sachen wie „liebevolles sowie wertschätzendes Miteinander“ – öffnet aber im unteren Teil durch das unkommentierte Verlinken auf alternative Portale von Reitschuster, Homburg, Füllmich,… die Hölle der Hetzer, die sich in keiner Weise an „liebevolles sowie wertschätzendes Miteinander“ halten…
  • Am 1. Februar wurde die E-Mail eines DemoTeilnehmers veröffentlicht, der das Lied von den wenigen Toten singt: „117.314 Menschen sind an oder mit Corona verstorben. Das heißt, dass 1,27% der positiven Fälle gestorben sind. Allerdings muss man auch deutlich sagen, dass 85% der Verstorbenen über 70 Jahre alt waren. Nun soll mir bitte einer erklären, wie diese Zahlen eine berufliche oder generelle Impfpflicht rechtfertigen sollen!“ Er entscheidet sich damit gegen den Schutz des Überlebens von Schwachen.
  • Die Pressemitteilung von Halle gegen Rechts lässt die Einschätzung zu, dass die Bewegung Halle „rechts unterwandert“ ist.
  • Diese These unterstützt ostprog.de durch Recherchen in den TelegramKanälen der BewegungHalle:

Nimmt man die BewegungHalle als Verwandte von Occupy, Friedensmahnwachen, Querdenken oder ExtinctionRebellion dann greifen auch allgemeinere Überlegungen:

  • Die Bewegung Halle greift tatsächliche Missstände auf – das lausige Pandemiemanagement. Und sie hinterfragt die demokratische Kultur in Deutschland. Die Erklärungsmuster, die dabei gewählt werden, und die rechten Mitläufer, die dabei geduldet werden, scheinen Paralellen zu den Friedensmahnwachen aus den Jahren 2014ff. zu haben. Dazu passt: Wikipedia: Mahnwachen für den Frieden.
  • Einen breiteren Rahmen spannt Peter Ullrich in seinem Essay „Postdemokratische Empörung“ Das Fazit dieses Textes findet sich im oben genannten WikipediaArtikel:

Der Soziologe Peter Ullrich analysiert die Mahnwachen als Vertreter eines neuen Typus von Protestbewegung, nämlich der „postdemokratischen Empörungsbewegungen“. Sie alle seien wie zum Beispiel auch Occupy und Pegida gekennzeichnet durch eine radikale Ablehnung des politischen Systems, ein tief sitzendes Misstrauen gegen die politischen und gesellschaftlichen Institutionen, kaum politische Vorerfahrung, einen geringen Organisationsgrad, die Weigerung, sich im üblichen Links-Rechts-Schema zu verorten, eine Ablehnung der gesellschaftlich bis dahin prägenden „Großen Erzählungen“, spontane Mobilisierung und schwache, häufig durch das Internet geprägte Identitäten. In dreierlei Hinsicht seien die Mahnwachen typisch für „postdemokratische“ Zustände, in denen nach der Analyse des britischen Politikwissenschaftlers Colin Crouch die Demokratie zwar nach außen hin intakt ist, wichtige gesellschaftliche Entscheidungen aber nicht mehr bei Wahlen getroffen würden, die zu bloßen Inszenierungen und Schaukämpfen verkämen, sondern von den Eliten im kleinen Kreis hinter verschlossenen Türen. Die Mahnwachen sind nach Ullrich zum einen eine Reaktion auf diese Zustände, sie stellen zweitens einen Protest dagegen dar, drittens sind sie aber selber Teil der postdemokratischen Subjektivität und der damit verbundenen Praxis: Zwar seien die Anhänger sozial gut integriert und überdurchschnittlich gebildet, politisch hätten sie sich aber dem politischen System völlig entfremdet, sodass sie weder im Mainstream noch in alternativen Milieus eine Heimat fänden. Prägend sei für sie vielmehr das „Web 2.0, wo jede Meinung, wie begründet oder bizarr auch immer, ihr Forum finden kann und zugleich eine Hilflosigkeit mit transportierende Empörung und Echauffieren zum Grundton gehören“.

„Die Beschränkung persönlicher Freiheiten ist die Kränkung, die das neoliberal zugerichtete Individuum noch am ehesten empfinden kann.“

  • Auf heise.de wird im Text „Was die Querdenker eint“ die These vertreten:  Die Maßnahmenkritiker haben die irrige Annahme der Staat müsse gut für seine Bürger regieren. Es sei jedoch so, dass der Staat als ideeller Gesamtkapitalist agiere, der dafür sorgt, dass die Gesamtmaschine am Laufen bleibt.

Linke, Klimaaktivistînnen, ZeroCovidlerînnen sind mit ihren Ansichten nicht in der Mehrheit. Deshalb überlegen sie, wie sie mehr Menschen von ihren Ansichten überzeugen können.

Rechte, Klima- oder Coronaskeptiker sind aber mit ihren Ansichten nicht in der Mehrheit. Deshalb behaupten sie, wir leben in einer Meinungsdikatatur.

  • Und natürlich der Text von André Gödecke: „Über Spaziergänge.“ In diesem Text kommt für mich die Erschöpfung der Empathischen zum Ausdruck:

Hallo hier bin ich – dein persönlicher Karl-Lauterbach-Dummy oder wahlweise auch der Widergänger des doofen Sportlehrers deiner Grundschulzeit – und du kannst alles, wirklich alles an mir auslassen, sobald ich versuche, deinen Diktaturthesen zu widersprechen!“

Ich bin so müde vom „Tolerieren“, vom Kompromisse Eingehen, vom Einstecken. Für mich wiederholt sich mit Bewegung Halle was ich im Umfeld der Friedensmahnwachen erlebt habe. Damals habe ich auch unendlich viel Zeit damit verbracht, die damals aktuellen Verschwörungsmythen zu zerlegen. Die Hilflosigkeit des Schachspielers. Er spielt Schach mit einer Taube. Die Taube ist ein Kind der Freiheit. Sie macht nur, was ihrem Bauchgefühl entspricht. Nach mehreren Gesprächen, Mediationen, Vermittlungsversuchen schmeißt sie die Figuren um und kackt aufs Brett.

Linke und Schwurbler

Linke sind davon überzeugt, dass es innerhalb des Kapitalismus kein Gutes Leben geben kann. Klimaaktivistînnen sind davon überzeugt, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt und dass sofort gehandelt werden muss, um diesen aufzuhalten.

Sie sind aber mit ihren Ansichten nicht in der Mehrheit. Deshalb überlegen sie, wie sie mehr Menschen von ihren Ansichten überzeugen können.

Klimaskeptiker sind davon überzeugt, dass es nicht notwendig ist, Maßnahmen zu ergreifen, die den CO2-Gehalt der Atmosphäre senken. Coronamaßnahmenkritiker sind davon überzeugt, dass Covid-19 keine ernstzunehmende Krankheit ist.

Sie sind aber mit ihren Ansichten nicht in der Mehrheit. Deshalb behaupten sie, wir leben in einer Meinungsdikatatur.

Spiritualität & Gödel

Zenartblog mit einem RamanaZitat:

Es gibt kein grösseres Mysterium als dieses: Dass wir, die wir die wahre Wirklichkeit sind, sie erreichen wollen. Wir bilden uns ein, dass es etwas gäbe, das unsere Wirklichkeit vor uns verbirgt, und dass dies zerstört werden müsse, bevor wir die Wirklichkeit gewinnen können. Es ist geradezu lächerlich. Und es wird ein Tag heraufdämmern, an dem du über deine jetzigen Bemühungen lachen wirst. Aber das, was an jenem Tag deines Lachens da sein wird, das ist jetzt und hier bereits gegenwärtig.

Mir fielen sofort Gödels Unvollständigkeitssatz ein:

Dieser besagt, dass in einem widerspruchsfreien Axiomensystem, das genügend reichhaltig ist, um die Arithmetik der natürlichen Zahlen in der üblichen Weise aufzubauen, und das überdies hinreichend einfach ist, es immer Aussagen gibt, die aus diesem weder bewiesen noch widerlegt werden können

Und natürlich Wittgenstein mit seinem Tractatus, der auch die Grenzen des Wissbaren auslotet und zu dem selben Ergebnis kommt.

Die Vorstellung von einer ganzen erkennbaren Welt ist falsch und romantisch. Diese Erkenntnis lässt sich intuitiv wie bei Ramana oder auch durch hartes westliches Nachdenken wie bei Gödel oder Wittgenstein gewinnen.

Folgen des Social Distancings

In der TAZ ein Gespräch mit Hartmut Rosa.

Was nach einer Woche noch hängengeblieben ist: Die Idee von der sozialen Interaktion, die wir als Menschen brauchen. Wenn ich mir vorstelle, dass Menschen noch gar nicht so lange sprechen können, dann wird klar, dass wir „Fühler“ haben, um in der Interaktion mit 20 oder 30 Leuten gleichzeitig klarzukommen. Fällt dieser simultane gleichzeitige Kontakt weg, ist das genauso dramatisch wie absolute Stille, Schwerelosigkeit oder Dunkelheit. In VorCoronaZeiten gab es da die Überlegungen zur „Berührungslosen Gesellschaft“ – SocialDistancing setzt noch einen drauf.

Vor diesem Hintergrund erscheint mir der (mein) exzessive(r) Konsum von sozialen Medien (DoomScrolling) als Ersatz für soziale Interaktion.

Und mir fallen die „Empathischen Halluzinationen“ ein, die ich vor 10 Jahren mal hatte. Nachdem ich dieses Textchen jetzt nochmal gelesen habe, fällt mir natürlich auf, dass das TAZ-Interview aus einer westlichen atomistischen Sichtweise heraus geschrieben wurde: Das Ganze besteht aus Teilen. Die Gesellschaft besteht aus Menschen. Wenn wir die andine Brille der indigenen Südamerikaner aufsetzen, dann besteht das Ganze, die Gesellschaft aus Beziehungen, deren Knoten die Dinge, die Menschen sind. Wenn es keine Beziehungen, Kontakte, Berührungen mehr gibt, gibt es keine Knoten, also auch keine Menschen mehr, was bleibt sind entmenschte Körper….

Verhandeln mit dem Staat

Letztens lief mir ein Textchen von Friedrich Engels über den Weg. Und genau im Sinne dieses Textes wurde ich sozialisiert. Ein Mantra des Staatsbürgerkundeunterrichts in der DDR lautete: „Der Staat ist das Machtinstrument der jeweils herrschenden Klass.“ Und wer nicht zur jeweils herrschenden Klasse gehört, soll nicht von Verhandlungen mit dem Staat träumen. Egal ob es um Schulschließungen, autofreie Innenstädte oder Wohnprojekte geht.

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