Schicksal 2.0

Früher hat uns Gott geleitet. Dämonen, Engel oder Teufel hatten ihre Hand im Spiel. Karma, Schicksal, Vorsehung,…

Heute ist das anders. Da ist es die schwere Kindheit oder die zu behütete. Die armen oder reichen Eltern. Die zu vielen oder zu wenigen Geschwister. Die Gene. Die Wende. Die transgenerationalen Traumata…

Oder wie es Enzensberger 1993 formulierte:

Die neuen Vormünder nehmen in ihrer grenzenlosen Gutmütigkeit den Verirrten jede Verantwortung für ihr Handeln ab. Schuld ist nie der Täter, immer die Umgebung: das Elternhaus, die Gesellschaft, der Konsum, die Medien, die schlechten Vorbilder. Jedem Totschläger wird gewissermaßen ein Multiple-Choice-Fragebogen ausgehändigt, den er, zu seinem eigenen Besten, auszufüllen hat: Mama wollte mich nicht; ich hatte allzu autoritäre / allzu antiautoritäre Lehrer; Papa kam besoffen / nie nach Hause; die Bank hat mir zu viel Kredit gegeben / mein Konto gesperrt; ich wurde als Kind / Schüler / Lehrling / Angestellter verwöhnt / zurückgesetzt; meine Eltern haben sich zu früh / zu spät scheiden lassen; es gab in meiner Umgebung keine ausreichenden / zu viele Freizeitangebote. Deswegen ist mir nichts anderes übrig geblieben, als eine Brandstiftung / einen Raub / ein Attentat / einen Mord zu begehen (Zutreffendes bitte ankreuzen).
Hans Magnus Enzensberger, Aussichten auf den Bürgerkrieg, Frankfurt Main, 1993, S.37

Extinction Rebellion

Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotive der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zug reisenden Menschengeschlechtes nach der Notbremse.
Walter Benjamin

Fast alles ist gut

Kirsten Fuchs schwelg im Magazin in der Gutheit des Menschen:

Wir sind soooo viel besser, als wir es über uns glauben. Wieso denken wir so schlecht von uns?

[…] Wir sind die, die sich an die Straßenverkehrsregeln halten und an die Gesetze. Wir sind die, die ohne Androhung von Strafen und ohne Aussicht auf Belohnung einfach nur so auf der Rolltreppe meistens rechts stehen, um links Menschen vorbeizulassen, die es eiliger haben.

Wie viele Leute brüllen sich am Tag im Straßenverkehr an und töten sich nicht? Hauen sich nicht mal, wie angekündigt, aufs Maul? Wie viele Frauen wischen auf öffentlichen Toiletten die Klobrille ab, nachdem sie im Stehen uriniert haben? Für die nächste Frau, falls die sich hinsetzen will. Einfach so. Die Kindergartenkinder üben mit Besteck zu essen, die Schulkinder kippeln und lernen, sich zu melden, wenn sie eine Frage haben.

Und wir reden immer nur über die Idioten, regen uns auf über Leute, die sich aufregen. Wir ziehen uns ständig die Idioten rein, als wären wir idiotenabhängig oder so.

Kirsten Fuchs – Die beste Medizin der Welt in Das Magazin Januar 2019

Es gab mal 2012 so einen extremen Stromausfall in Indien und die Leute sind eben nicht übereinander hergefallen. Hatte ich mal gelesen. Ich habe es nicht geschafft nochmal die Quelle wiederzufinden. Kein Problem, Berichte über Plünderungen nach dem Hurrikan Katrina 2005 zu finden.

Passt alles gut zum Saalehochwasser 2013.

Gott oder Geld

Das Verlangen nach Gott, bzw. Spiritualität ist dasselbe wie das Verlangen nach Geld. Beides beruht auf dem Missverständnis, dass ein separates Selbst als „Ego“ nach etwas ausserhalb seiner selbst sucht, ob das nun Gott oder materieller Gewinn ist.

Satyam Nadeen (via: http://www.zenartblog.com/)

Oder wie die GfKler sagen: Gott und Geld sind Strategien zur Bedürfnisbefriedigung – aber eben keine tatsächlichen Bedürfnisse.