Spiritualität & Gödel

Zenartblog mit einem RamanaZitat:

Es gibt kein grösseres Mysterium als dieses: Dass wir, die wir die wahre Wirklichkeit sind, sie erreichen wollen. Wir bilden uns ein, dass es etwas gäbe, das unsere Wirklichkeit vor uns verbirgt, und dass dies zerstört werden müsse, bevor wir die Wirklichkeit gewinnen können. Es ist geradezu lächerlich. Und es wird ein Tag heraufdämmern, an dem du über deine jetzigen Bemühungen lachen wirst. Aber das, was an jenem Tag deines Lachens da sein wird, das ist jetzt und hier bereits gegenwärtig.

Mir fielen sofort Gödels Unvollständigkeitssatz ein:

Dieser besagt, dass in einem widerspruchsfreien Axiomensystem, das genügend reichhaltig ist, um die Arithmetik der natürlichen Zahlen in der üblichen Weise aufzubauen, und das überdies hinreichend einfach ist, es immer Aussagen gibt, die aus diesem weder bewiesen noch widerlegt werden können

Und natürlich Wittgenstein mit seinem Tractatus, der auch die Grenzen des Wissbaren auslotet und zu dem selben Ergebnis kommt.

Die Vorstellung von einer ganzen erkennbaren Welt ist falsch und romantisch. Diese Erkenntnis lässt sich intuitiv wie bei Ramana oder auch durch hartes westliches Nachdenken wie bei Gödel oder Wittgenstein gewinnen.

Folgen des Social Distancings

In der TAZ ein Gespräch mit Hartmut Rosa.

Was nach einer Woche noch hängengeblieben ist: Die Idee von der sozialen Interaktion, die wir als Menschen brauchen. Wenn ich mir vorstelle, dass Menschen noch gar nicht so lange sprechen können, dann wird klar, dass wir „Fühler“ haben, um in der Interaktion mit 20 oder 30 Leuten gleichzeitig klarzukommen. Fällt dieser simultane gleichzeitige Kontakt weg, ist das genauso dramatisch wie absolute Stille, Schwerelosigkeit oder Dunkelheit. In VorCoronaZeiten gab es da die Überlegungen zur „Berührungslosen Gesellschaft“ – SocialDistancing setzt noch einen drauf.

Vor diesem Hintergrund erscheint mir der (mein) exzessive(r) Konsum von sozialen Medien (DoomScrolling) als Ersatz für soziale Interaktion.

Und mir fallen die „Empathischen Halluzinationen“ ein, die ich vor 10 Jahren mal hatte. Nachdem ich dieses Textchen jetzt nochmal gelesen habe, fällt mir natürlich auf, dass das TAZ-Interview aus einer westlichen atomistischen Sichtweise heraus geschrieben wurde: Das Ganze besteht aus Teilen. Die Gesellschaft besteht aus Menschen. Wenn wir die andine Brille der indigenen Südamerikaner aufsetzen, dann besteht das Ganze, die Gesellschaft aus Beziehungen, deren Knoten die Dinge, die Menschen sind. Wenn es keine Beziehungen, Kontakte, Berührungen mehr gibt, gibt es keine Knoten, also auch keine Menschen mehr, was bleibt sind entmenschte Körper….

Verhandeln mit dem Staat

Letztens lief mir ein Textchen von Friedrich Engels über den Weg. Und genau im Sinne dieses Textes wurde ich sozialisiert. Ein Mantra des Staatsbürgerkundeunterrichts in der DDR lautete: „Der Staat ist das Machtinstrument der jeweils herrschenden Klass.“ Und wer nicht zur jeweils herrschenden Klasse gehört, soll nicht von Verhandlungen mit dem Staat träumen. Egal ob es um Schulschließungen, autofreie Innenstädte oder Wohnprojekte geht.

Weiterlesen „Verhandeln mit dem Staat“

Kritik und Praxis

Westdeutsche Linke

Alles, was sie jemals denken,
Und sie denken ja durchaus,
Speist sich aus dem trüben Brunnen
Der Kritik. Tagein, tagaus
Blickt ihr Auge auf den Mist,
Der dem Staate eigen ist.

Wer Kritik übt, glaubt im Herzen
An das bessre Argument,
Wirft dem Wolf vor, dass er Wolf ist,
Und dem Feuer, dass es brennt.
Merkste was? Kritik allein
Kann des Pudels Kern nicht sein.

Wies einst Hannibal der Krieger
Vor der Schlacht am Apennin
Seine Kämpfer auf die schlimme
Unmoral der Römer hin?
Nein. Er schwang den eleganten
Hintern auf den Elefanten.

Marco Tschirpke

Quelle: konkret 12/2020 S.45

Passt gut zu den Veranstaltungen der Marxistischen Gruppe (MG), die es kurz nach der Wende in Halle gab.

KlimaLockdown

CoronaLockdowns, weil nicht auf die naturwissenschaftlichen Panikmacher gehört wird. Weil es Corona nicht gibt, weil die Wirtschaft brummen muss, weil bis kurz vor 12 gewartet wird.

Ist das mit der #KlimaKatastrophe genauso? Gehen wir dann in 10 Jahren in den CO2-Lockdown?

Antisemitismus

Bei Corax denkt Dr. Sebastian Winter aus der Sicht psychoanalytischer Sozialpsychologie von Gemeinschafts- und Feindbildungsprozessen über Antisemitismus nach. Meine 2 Lieblingserkenntnisse:

  • Der „regressive Rebell„, der meint „Merkel muss weg“, ist davon überzeugt, dass gerade das falsche Personal regiert. Er findet Herrschaft OK, nur darf sie nicht von Linksgrünversifften oder Echsenmenschen unterwandert werden. Passt sehr gut zu persönlichen Erfahrungen mit Menschen, die ehrlichen Herzens von der Regierung enttäuscht sind. Wir kamen nicht so Recht auf einen Nenner, weil ich weder vom Kapitalismus noch dem Staat als Herrschaftsinstrument der Kapitalistenklasse sonderlich viel erwarte.
  • Der herrschende Diskurs vom Einzeltäter geht davon aus, dass Menschen mit Persönlichkeitsstörungen zu Faschisten, Antisemiten oder Terroristen werden. Sebastian Winter meint, es sei genau umgekehrt. Wer sich auf Antisemitismus einlässt, entwickelt im schlimmsten Fall Wahnvorstellungen und wird psychisch krank. (ab Minute 13)