Carmen

Carmen an der Schillerbühne. 100% konventionell inszeniert. Ein Plot der zur Tragödie wird, weil eine Frau, eine Zigeunerin, ihr Ding durchzieht. Ein feministisches Stück ohne SchnickSchnack. Assoziationen:

Und musst du weinen,
dann liebe eine Frau,
doch liebe keine, doch liebe keine,
doch liebe keine ausm Tagebau.

Die haben harte Hände und ein hartes Herz,
die streiten ohne Ende und die sterben früh.
Die suchen ein Vergnügen und finden nur den Schmerz.
Die können lügen, aber leben können die nie.

  • Und natürlich Gerhard Henschels Menetekel – 3000 Jahre Untergang des Abendlandes. Dieser Almanach der Misogynie, der aufzeigt, wie die Überzeugung tief in unserer Kultur verwurzelt ist: „Alles wird immer schlimmer und daran ist die Frau schuld.“

 

3 Schwestern

Gestern gab es im König Albert Theater Anton Tschechows „3 Schwestern“ Im Programmheft steht geschrieben:

Das Haus der Schwestern erscheint wie ein Durchlauferhitzer für die Ideen des Zeitgeistes, eine Diskursmaschine auf Hochbetrieb, doch die wortreichen Debatten über die Utopien und Theorien, das Leben zu führen oder zu ändern, bleiben ohne wirkliche Konsequenz. Wie festgefroren wirken die drei Schwestern und ihre Besucher; auf irrationale Weise unfähig, ihre Pläne zu verwirklichen.

Oder an anderer Stelle auf den Punkt gebracht: „Die Unfähigkeit in der Gegenwart zu leben.“ Die wehleidigen Jammerzonis fallen mir ein, mein Kommuneflizz, das klassische Zählen der Jahre bis zur Rente.

Fürchtet den Unternehmergeist

Die taz über Elfride Jelineks neues Stück „Die Kontrakte des Kaufmanns“, das noch vor Ausbruch der schröcklichen Griese entstand:

Arme Leute von reichen bestohlen? So einfach macht es sich Jelinek freilich nicht. Das ebenso lustige und wuchtige Stück kreist um die Glaubensstruktur eines Systems, das kleine Leute dazu bringt, an ihrer eigenen Enteignung mitzumachen, und die ihre Verluste am Ende nicht einmal als Raub und Plünderei erleben, sondern als Ausweis ihres unternehmerischen Unvermögens, wie jener Axtmörder, der seine Familie auslöschte, weil er ihr die Schande der Fehlinvestition ersparen wollte. So mündet Jelineks Kapitalismusanalyse in ein hübsches, blutiges Massaker. Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Amoklauf schweigen.