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Wahrheit

Der Philosoph Gustav Heckmann, Mitte/Ende 20. Jh. aktiv, der mit dem Sokratischen Gespräch, sagte über die Wahrheit:

Heute sprechen wir nicht mehr so unbefangen von Wahrheit wie früher. Das Streben nach Wahrheit und der Anspruch, die Wahrheit in einer bestimmten Frage erkannt zu haben, werden vielfach als Vermessenheit empfunden. Vom Sokratischen Standpunkt aus möchte ich dazu folgendes sagen:
Wenn wir im Sokratischen Gespräch Konsensus über eine Aussage erreicht haben, dann hat dieser den Charakter des Vorläufigen: Bis auf weiteres bestehen keine Zweifel mehr an der erarbeiteten Aussage. Jedoch kann uns ein bisher nicht erwogener Gesichtspunkt in den Blick kommen, der neue Zweifel hervorruft. Dann muss die bisher nicht mehr angezweifelte Aussage von neuem geprüft werden. Niemals aber wird eine Aussage erreicht, die neuer Revisionsbedürftigkeit grundsätzlich entzogen wäre.

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consciousness & yoga

Anil Seth singt das bekannte Lied des Konstruktivismus, verweist darauf, wie unser Gehirn/Bewusstsein/wer-auch-immer uns einen kruden Mix aus Sinneswahrnehmung und unbewusster Interpretation durch Vorerfahrung als „Wirklichkeit“ anbietet. Soweit, so Watzlawick.
Was für mich inspirierend war: ICH bin keine alleinige Funktion des Gehirns sondern ICH bin aufs Engste mit meiner Lebendigkeit, mit meinem Körper verknüpft. Und hier wird deutlich, wohin die Reise geht, wenn ich Yoga betreibe oder eine andere Technik um hinter das Affengeschnatter zu schauen, wenn ich auf das lausche, was bleibt in der Stille. Wäre mein Bewusstsein eine reine Funktion des Gehirns, dann wäre da für den Atheisten rein gar nichts ohne das Affengeschnatter. Aber so wird klar, dass es um eine Spurensuche nach der eigenen Lebendigkeit auf einem präkulturellem Niveau geht:

Die Seele

Die Seele ist also nicht im Körper, sondern der Körper in der Seele, und diese Seele ist das gesamte Netz von Beziehungen und Prozessen, die die Umgebung des einzelnen ausmachen und ohne die er nichts wäre.

Alan Watts

Passt gut zu Aristoteles bei dem die Seele die Formursache des Menschen ist oder zu den andinen Ansichten, dass die Dinge, und mit ihnen der Mensch, Knoten in einem Beziehungsgeflecht sind.

Was ist der Mensch?

Was ist Wasser?

Frag einen Ertrinkenden, frag eine Verdurstende, frag einen Chemiker, frag eine Biologin, frag eine Forelle im Bach, frag einen Eisbär und eine Giraffe, lies im Lexikon nach, nimm ein Bad, gieße dir kochendes Wasser über den Körper, laufe barfuß durch den Schnee, trinke Wasser, Blut, Wein, sieh in die Wolken und den Regenbogen…

Was ist der Mensch?

Buddhistischer Konstruktivismus

Bodhidharma soll gesagt haben:

Weil wir unsere Phantasie dazu benutzen, immer wieder neue Ideen und Vorstellungen zu erschaffen, und diese dann für die Wirklichkeit halten, leben wir dauernd in der Hölle.

Für Watzlawick ist die sogenannte Wirklichkeit das Ergebnis von Kommunikation. Damit nimmt er Abstand von der für viele selbstverständlichen Ansicht, dass die Wirklichkeit das ist, was wirklich der Fall ist und die Kommunikation nur ein Mittel, diese zu beschreiben. Er schreibt:

„[…], daß der Glaube, es gäbe nur eine Wirklichkeit, die gefährlichste aller Selbsttäuschungen ist; daß es vielmehr zahllose Wirklichkeitsauffassungen gibt, die sehr widersprüchlich sein können, die alle das Ergebnis von Kommunikation und nicht der Widerschein ewiger, objektiver Wahrheiten sind“.

Daraus ergibt sich die Grundthese, dass es keine absolute Wirklichkeit gibt, sondern „nur subjektive, zum Teil völlig widersprüchliche Wirklichkeitsauffassungen, von denen naiv angenommen wird, daß sie der „wirklichen“ Wirklichkeit entsprechen“. Daher, so schreibt Watzlawick, liegt „der eigentliche Wahn in der Annahme, daß es eine „wirkliche“ Wirklichkeit zweiter Ordnung gibt und daß „Normale“ sich in ihr besser auskennen als „Geistesgestörte““.

Jetzt müsste nur noch geklärt werden, ob die Übersetzung eines jahrhundertealten Zitats in modernes Deutsch der Wirklichkeit entspricht. 🙂

Sollen & Wollen

Vielleicht ist das Sollen eine Erfindung aus Angst vor der (göttlichen) Kraft des Wollens. Wer will, ist verantwortlich für sein Wollen. Wer sein Handeln auf ein Sollen bezieht, gibt diese Verantwortung ab und bezieht  sich auf etwas Externes.