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Konstruktivismus erleben

So ein Zitat von Dōgen Zenji:

„To study the Way is to study the self. To study the self is to forget the self. To forget the self is to be actualized by myriad things. When actualized by myriad things, your body and mind as well as the bodies and minds of others drop away. No trace of enlightenment remains, and this no-trace continues endlessly.“

Für mich bedeutet das, die Konstruiertheit von allerlei Wirklichkeiten 2. Ordnung zu erleben. Meditation als erlebte/gefühlte Dekonstruktion.

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Deutschland als Konstrukt

Bei mir um die Ecke gibt es so einen Spruch:deutschlandNa ja, man müsste einfach das Wort krank streichen. Dann wird diese Sichtweise ganz nützlich. Nation als so ein Dingens, das existiert, weil hinreichend viele dran glauben. So wie der Weihnachtsmann oder der liebe Gott. Und dann kann man sich hinsetzen und fragen: Wofür ist es gut, Deutschland zu denken und wo schadet es wem. Aber mit dem Attribut „krank“ erhebt sich der Autor über denjenigen, der Deutschland denkt und stellt ihn in die kranke Ecke und hebt sich selbst aufs gesunde Podest.

Manfred Lütz – Bluff!

Man gab mir Bluff! zu lesen. Ich habe mich beim Lesen ein wenig gelangweilt. Dieter Wunderlich hat den Inhalt zusammengefasst.

Ein bunter Reigen kollernder Kritik an allerlei Gebäuden von Wirklichkeiten zweiter Ordnung, wie Watzlawick sie nennen würde. Was mich dann geärgert hat, war die besondere Rolle, die Lütz dann dem Glauben an Gott einräumte. Er schwingt auf 130 Seiten die konstruktivistische Keule, um dann im Finale bei Gott eine Ausnahme zu machen.

Da bleibe ich doch lieber bei Sprüchen aus Watzlawicks „Die erfundene Wirklichkeit„:

Die Einsicht, dass wir nichts wissen, solange wir wissen, dass wir nichts endgültig wissen, ist die Voraussetzung des Respekts für die von anderen Menschen erfundenen Wirklichkeiten.

oder

Der Konstruktivismus erschafft oder erklärt keine Wirklichkeit da draussen, sondern enthüllt, dass es kein Innen und Außen gibt, keine Welt der dem Subjekt gegenüberstehenden Objekte. Er zeigt, dass die Subjekt-Objekt-Trennung, auf deren Annahmen sich die vielen Wirklichkeiten aufbauen, nicht besteht; dass die Spaltung der Welt in Gegensatzpaare vom erlebenden Subjekt konstruiert wird; und dass die Paradoxien den Ausweg zur Autonomie öffnen.

Buddhistischer Konstruktivismus

Bodhidharma soll gesagt haben:

Weil wir unsere Phantasie dazu benutzen, immer wieder neue Ideen und Vorstellungen zu erschaffen, und diese dann für die Wirklichkeit halten, leben wir dauernd in der Hölle.

Für Watzlawick ist die sogenannte Wirklichkeit das Ergebnis von Kommunikation. Damit nimmt er Abstand von der für viele selbstverständlichen Ansicht, dass die Wirklichkeit das ist, was wirklich der Fall ist und die Kommunikation nur ein Mittel, diese zu beschreiben. Er schreibt:

„[…], daß der Glaube, es gäbe nur eine Wirklichkeit, die gefährlichste aller Selbsttäuschungen ist; daß es vielmehr zahllose Wirklichkeitsauffassungen gibt, die sehr widersprüchlich sein können, die alle das Ergebnis von Kommunikation und nicht der Widerschein ewiger, objektiver Wahrheiten sind“.

Daraus ergibt sich die Grundthese, dass es keine absolute Wirklichkeit gibt, sondern „nur subjektive, zum Teil völlig widersprüchliche Wirklichkeitsauffassungen, von denen naiv angenommen wird, daß sie der „wirklichen“ Wirklichkeit entsprechen“. Daher, so schreibt Watzlawick, liegt „der eigentliche Wahn in der Annahme, daß es eine „wirkliche“ Wirklichkeit zweiter Ordnung gibt und daß „Normale“ sich in ihr besser auskennen als „Geistesgestörte““.

Jetzt müsste nur noch geklärt werden, ob die Übersetzung eines jahrhundertealten Zitats in modernes Deutsch der Wirklichkeit entspricht. 🙂