Rassistische Traditionen im Osten

Rassisten und Anti-Semiten waren Teil einer sozialen Realität, die ich als Bestandteil der dunklen Seite der DDR bezeichnen möchte und sie bildeten die Kerne einer ansonsten amorph strukturierten reaktionären Masse, die den sozialen und politischen Verhältnissen kritisch gegenüberstand. […]
Durch die vorgelegten historischen Beweise eines speziellen und wirkungsmächtigen Rassismus in der DDR wird klar, dass die gegenwärtige Situation wesentlich auch der Tatsache einer rassistischen Kontinuität geschuldet ist. Es braucht also den historischen Blick und die historische Analyse um zu verstehen, vor welchen Gefahren wir jetzt stehen. Erst mit dem wissenschaftlichen Verständnis für die Komplexität des Geschehens, lässt sich begreifen, wie diese nationalistischen Explosionen der Gewalt seit mehr als zwei Jahrzehnten angelegt sind und wie es möglich wurde, dass weder der deutsche Staat noch seine Gesellschaft in der Lage sind, die rassistische Dynamik einzudämmen. aus: Leseprobe „Der gescheiterte Antifaschismus in der DDR“

Der Historiker Harry Waibel durchforstet die Stasiakten und fand heraus, dass rassistische Progrome Tradition haben im Osten. Seit dem Aufkommen der Vertragsarbeiter in den 1970ern bis zum Ende der DDR gab es 200 progromartige Zwischenfälle mit mindestens 10 Toten:

Und die Leute, die damals die Kubaner und Algerier gejagt haben, waren keine besorgten Bürger, die Angst vor Überfremdung oder Angst um ihren Arbeitsplatz hatten.

Träumen vom Kommunismus

Ein altes Wendebuch von 1993: Was von den Träumen blieb. Heiner Müller grollt ins Vorwort:

Ein Kadaver kann dem Obduktionsbefund nicht widersprechen. Der historische Blick auf die DDR ist von einer moralischen Sichtblende verstellt, die gebraucht wird, um Lücken der eignen »moralischen Totalität« zu schließen. Die Funktion der Medien in diesem Verdrängungsprozeß bestimmt sich aus dem Systemzwang, die Probleme der Zentren an die Peripherie zu delegieren …

Auf den toten Gegner kann man jedes Feindbild projizieren, das vom Blick in den Spiegel abhält.

Zum Titel: Menschen, denen das Träumen verwehrt wird, haben keine andere Heimat als den Wahnsinn. Die Schreckensfrage des nächsten Jahrhunderts lautet: Was spricht gegen ihn? Von der zu findenden Antwort auf diese Frage hängt das Überleben der Menschheit ab. Ich bin nicht mehr sicher, dass der Kommunismus, wie mein Vater mir Achtjährigem aus dem Buch eines indischen Philosophen vorlas, das Schicksal der Menschheit ist, aber er bleibt ein Menschheitstraum, an dessen Erfüllung eine Generation nach der anderen arbeiten wird bis zum Untergang unserer Welt.

Tiefenökologie im Liedgut der DDR?

Letztens gab es so einen Liederabend „Weltall-Erde-Mensch-wie-stolz-das-klingt“ im Neuen Theater. So alte Lieder wurden gesungen, rezitiert, verfremdet. Oder sie wurden auch in einander verwoben – etwa „Sag mir wo du stehst“ und „Du entschuldige i kenn di.“ Na ja, auf jeden Fall eine Veranstaltung, die nur für eine Altersklasse Sinn macht, die 1990 schon bei Bewusstsein war. War deutlich am Publikum zu merken – die Jüngeren hörten unverständlichen Klamauk – für mich war es eine hochintelligente Klangcollage meiner Herkunft.

Und da gab es eben drei Lieder, die von einer tiefen Verbundenheit mit allem Seienden sangen:

Mir ist so ein Hermann-Kant-Satz im Kopf, den ich nicht belegen kann: Das Beste an der DDR war die Utopie von ihr.

Ossischelte von den Bahamas

Vortrag und Diskussion mit Jan-Georg Gerber und Mario Möller
Es ist alles andere als ein Zufall, dass sich der „Nationalsozialistische Untergrund“ in Jena gründete und sich im Landstrich zwischen Ostsee und Erzgebirge pudelwohl fühlte. Während in der alten Bundesrepublik die Präsenz der Westalliierten die Westbindung Konrad Adenauers forcierte und zumindest oberflächlich ein Zivilisationsschub stattfand, wurde in der nestwarmen Nischengesellschaft der DDR jener unheimliche Gemeinschaftsgeist konserviert und weiter kultiviert, der den Nationalsozialismus zur Massenbewegung werden ließ. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Zonis auch mehr als zwanzig Jahre nach der Wende von der Vorstellung beherrscht werden, sie stünden für menschliche Wärme, Nähe und Geborgenheit, wohingegen den als Kolonisatoren wahrgenommenen arroganten „Wessis“ soziale Kälte, Egoismus und Unpersönlichkeit zur Last gelegt werden. In Abwehr dessen gleicht der Osten einer Trutzburg, wo kollektiv die eigene Opferrolle beschworen und reproduziert wird; wo man sich beständig verfolgt oder betrogen wähnt; wo jedes individuelle Unglück als Angriff einer äußeren Macht auf das eigene Kollektiv halluziniert wird. Wer also den Entstehungsbedingungen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ auf den Grund gehen will, hat dementsprechend weniger über Nazistrukturen, die NPD oder „braune Häuser“ zu sprechen. Er müsste vielmehr das im Wortsinn national-sozialistische Erbe der DDR und die Partei, die den Osten wie keine andere Größe prägt – und in der sich all das, was die Zone so eklig macht, wie in einem Brennglas verdichtet –, in den Fokus rücken: die Linkspartei.

Ziemlich garstig. Aber doch, das kenne ich gut. Dieses undialektische Schwarz-Weiß. Wir die Guten, Braven, Doofen, Betrogenen – Die, die Bösen, die da oben, die Verschlagenen, die Gerissenen. Aber ob das typisch ostdeutsch ist?

Rückzugsgefechte

Aus so einem Buch zum 20-jährigen Bestehen der GEW:

Eckpunkte der bildungspolitischen Konzeption der Gründungskonferenz sind: Beibehaltung und Weiterentwicklung der Krippen, Kindergärten, Horte und Freizeiteinrichtungen; Entwicklung der zehnjährigen Polytechnischen Oberschulen zu differenzierten, leistungsfähigen, integrierten Gesamtschulen; Öffnung und Ausbau der Abiturstufe sowie doppelt qualifizierender Bildungsgänge; freier Hochschulzugang für alle, die entsprechende Qualifikationen erworben haben; Weiterentwicklung des polytechnischen Unterrichts als Pflichtfach an allen allgemein bildenden Schulen und Freiräume für alle Bildungseinrichtungen zur Erprobung eigener Wege. (28. Juni 1990)

Eckpunkte der bildungspolitischen Konzeption der Gründungskonferenz sind: Beibehaltung und Weiterentwicklung der Krippen, Kindergärten, Horte und Freizeiteinrichtungen; Entwicklung der zehnjährigen Polytechnischen Oberschulen zu differenzierten, leistungsfähigen, integrierten Gesamtschulen; Öffnung und Ausbau der Abiturstufe sowie doppelt qualifizierender Bildungsgänge; freier Hochschulzugang für alle, die entsprechende Qualifikationen erworben haben; Weiterentwicklung des polytechnischen Unterrichts als Pflichtfach an allen allgemein bildenden Schulen und Freiräume für alle Bildungseinrichtungen zur Erprobung eigener Wege.

Jan Josef Liefers

Jan Josef Liefers wurde 1964 als Sohn einer Schauspielerin und eines Regisseurs in Dresden geboren. Er weiß, dass DDR auch glückliche Kindheit bedeuten kann und nicht ausschließlich Stasiterror. „Ich habe viele Filme mit DDR-Thematik nicht gemacht, denn sie erschienen mir zu simpel. Ich war mit den Fragestellungen nicht einverstanden, die da transportiert wurden. Zugespitzt lauteten sie: Warst du ein Opfer oder ein Täter?  Quelle:  TV TODAY 24/11
Sehr sympathisch

Grundnahrungsmittel Banane

Damals in der DDR, Hunger, Elend & Verzweiflung. Annett Louisan (34) erinnert sich:

Die Sängerin wurde in Havelberg in Sachsen-Anhalt geboren und weiß seit ihrer Kindheit in der ehemaligen DDR, dass Essen kostbar ist. Als besonderes Erlebnis blieb ihr in Erinnerung, wie sie einst für zehn Bananen vier Stunden lang anstehen musste, erzählt sie. (Quelle)

Und es war die Stasi, die uns zwang in Sturm und Kälte auszuharren. In meiner Erinnerung war dieses Schlangestehen kein Muss und drehte sich nicht um wichtige Dinge.