Der Regenmacher

Die Deutsche Umwelthilfe klagt für saubere Luft in unseren Städten. Da fiel mir glatt der Regenmacher ein, in dem Matt Damon gegen einen Versicherungskonzern klagt:

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Wie die Pressefreiheit nach Mitteldeutschland kam

Vielen Dank an die Städtische Zeitung, die in einem Kommentar nochmal daran erinnert, wie die Mitteldeutsche Zeitung entstand:

„Ich erinnere da nur mal an den Bahnhofsvorplatz. Den wollte die MZ unbedingt und so schnell als möglich nach dem Mann benennen lassen, der vor einem Vierteljahrhundert dafür gesorgt hatte, dass die Zeitung, die damals noch Freiheit hieß, in die Hände des Verlegers seines Vertrauens gelegt wurde. Dafür musste man sich ja irgendwann mal revanchieren. Wochenlang gab es fast täglich einen Artikel zum Thema.“

Im Spiegel von 1991 liest sich der Vorgang so:

Um die gleiche Zeit ließ Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, wie sich jetzt beweisen läßt, einen DDR-Pressebetrieb in seiner Heimatstadt Halle einem ihm politisch genehmen West-Verleger zuschieben.
Kohl und Genscher konnten der Versuchung nicht widerstehen, die ihnen zugefallene Verfügungsgewalt über die neue Staatsholding der ehemaligen DDR-Wirtschaft für ihre parteipolitischen Zwecke zu mißbrauchen. Früher von der SED gleichgeschaltete Zeitungen bugsierten sie von Staats wegen in eine neue Gefügigkeit, die sich schon daraus ergibt, daß sie für die neuen Eigentümer ihre guten Beziehungen spielen ließen.

Was mir beim Lesen dieses über 20 Jahre alten Artikels auffällt: Die hilflose Empörung der demokratischen Leitpresse darüber, dass das mit der Demokratie nicht so funktioniert wie im Lehrbuch für Sozialkunde. Genauso wie heute etwa der Dieselskandal.

Wer darf revolutionieren?

Die Printausgabe des MZ-Beitrags „Stich ins Wespennest“ beginnt etwas anders als die Onlineversion:

Mit seinen 95 Thesen setzte Luther einen bis heute andauernden Diskurs in Gang: Die gesellschaftlichen Verhältnisse müssen immer wieder neu in Frage gestellt werden.

Und mir stellt sich die Frage: Wer wird dafür gefeiert, dass er die gesellschaftlichen Verhältnisse in Frage stellt und wer wird dafür verteufelt?

Haseloff und die Identität

Mein Landesvater Reiner Haseloff spricht:

  • Mitteldeutsche Zeitung: „Viele Sachsen-Anhalter haben Schwierigkeiten, anderen ihre eigene Region zu beschreiben. Da ist die Marke Luther identitätsstiftend, damit wird man sofort erkannt“
  • WELT: „Menschen wollen wissen, wie Deutschland seine Identität bewahrt.“

Melanie Schmitz von den Identitären in Halle sagt:

  • „Jedes Volk hat ein Recht auf Identität. Melanie kämpft für unseres. Wann wirst du aktiv?“

Wo ist die Grenze zwischen den Beiden. Es gibt keine Grenze. Wer Streben nach „Identität“ kritiklos positiv besetzt, nimmt auch die hässlichen Auswirkungen in Kauf.

Wer das nicht will, der muss dicke Bretter bohren und seine eigene Sozialisierung hinterfragen:

Der Strukturlosigkeit des Begriffs war nur ein einziger fester Kern mitgegeben: die Abgrenzung vom Nicht-Identischen, in welcher Bestimmung auch immer, und insofern ist er im Kern auf Konflikt hin angelegt. Im Fall des kollektiven Konflikts verflüchtigt sich jedoch die situative Vagheit subjektiver Balancen und muß mit der beinharten Notwendigkeit des Sozialen durch objektivierende Kriterien der Inklusion und Exklusion ersetzt werden.
Im Zuge der Steigerung einer Konfliktdynamik werden sich dabei nur Letztbegründungen bewähren, die es im Bereich von Geschichte und Gesellschaft nicht gibt und für die deshalb auf Glaubensüberlieferungen oder scheinbar natürliche Gegebenheiten, grob gesprochen: auf Religion und Rasse, zurückgegriffen werden muß. Insofern ist kollektiver Identität die Tendenz zum Fundamentalismus und zur Gewalt inhärent.

Zombies und Wutbürger

Die rassistischen Traditionen im Osten lange vor Rostock-Lichtenhagen. Diese Geschichte mit dem Bus voll Geflüchteter, der in Clausnitz blockiert wurde. Und jetzt der aktuelle Wahlkampf mit den Merkel-muss-weg-Demonstranten:

Das alles erinnert mich schon an sowas hier:

Ein Gegenüber, das wie ein Mensch aussieht. Dieses Gegenüber reagiert aber nicht auf rationale Argumente. Es tritt in immer größer werdenden Rudeln auf und bedroht den braven Bürger in seiner gesicherten Existenz.

Und wirklich in Joachim Körbers „Die Philosophie bei The Walking Dead“ wird die These vertreten, dass der aktuelle Hype um Zombies Ausdruck der Angst der bürgerlichen, gebildeten Mitte vor dem Chaos ist.

(siehe auch Zombies und Ostdeutsche)

 

consciousness & yoga

Anil Seth singt das bekannte Lied des Konstruktivismus, verweist darauf, wie unser Gehirn/Bewusstsein/wer-auch-immer uns einen kruden Mix aus Sinneswahrnehmung und unbewusster Interpretation durch Vorerfahrung als „Wirklichkeit“ anbietet. Soweit, so Watzlawick.
Was für mich inspirierend war: ICH bin keine alleinige Funktion des Gehirns sondern ICH bin aufs Engste mit meiner Lebendigkeit, mit meinem Körper verknüpft. Und hier wird deutlich, wohin die Reise geht, wenn ich Yoga betreibe oder eine andere Technik um hinter das Affengeschnatter zu schauen, wenn ich auf das lausche, was bleibt in der Stille. Wäre mein Bewusstsein eine reine Funktion des Gehirns, dann wäre da für den Atheisten rein gar nichts ohne das Affengeschnatter. Aber so wird klar, dass es um eine Spurensuche nach der eigenen Lebendigkeit auf einem präkulturellem Niveau geht:

Isolation und Gemeinschaft

wieder zwei Fundstücke, die gegen Isolation und Kleinfamilie wettern:

Ein DLF-Feature „Selbstwert oder gelernter Hass – Wie uns die frühe Kindheit prägt“ breitet sehr schön aus, wie sinnvoll eine gewaltfreie, die Bedürfnisse des Kindes achtende Erziehung ist. Und kommt zu der ernüchternden Erkenntnis, dass das in in einer Kleinfamilie nicht zu schaffen ist und unter den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen zu chronischer Erschöpfung der Eltern führt.

Und Remo Largo, ein Schweizer Kinderarzt, hat ein Buch über Erwachsene geschrieben: „Das passende Leben. Was unsere Individualität ausmacht und wie wir sie leben können“ In einem Interview über dieses Buch heißt es:

… Welches Grundbedürfnis kommt in unserer Gesellschaft oft zu kurz?

Geborgenheit und soziale Anerkennung. Wir Menschen haben während 200 000 Jahren in Lebensgemeinschaften gelebt, in denen man sich gut kannte und aufgehoben fühlte. Wir sind nicht dafür gemacht, in einer anonymen Massengesellschaft zu leben. Wir brauchen eine stabile, tragfähige Lebensgemeinschaft um uns. Die Kleinfamilie genügt dafür nicht.

… Das Problem ist einfach, dass wir Menschen soziale Wesen sind, wir können nicht alleine leben. Unser Bedürfnis nach Geborgenheit, nach sozialer Anerkennung ist so elementar wie der Hunger.

Ihre Lösung dafür ist die Lebensgemeinschaft etwa in Mehrgenerationenhäusern. Das klingt utopisch.

Der moderne Mensch hat während 200 000 Jahren ausschliesslich in Lebensgemeinschaft vertrauter Menschen gelebt. Heutzutage geht es immer mehr Kindern und Alten schlecht und jene in der Mitte, vor allem Eltern müssen sich unglaublich abstrampeln, weil sie glauben, alles alleine stemmen zu müssen. So kann es ja nicht mehr weitergehen.

Verklären Sie da nicht etwas die vergangenen Zeiten, als Kinder in Grossfamilien aufwuchsen mit vielen Tanten und Geschwistern?

Eine Lebensgemeinschaft, wie sie mir vorschwebt, ist kein Vergnügungspark. Die Menschen haben Pflichten, etwa sich gemeinsam um die Kinder und die Alten zu kümmern. Sich um einander zu sorgen, schafft tragfähige Beziehungen.

Damals, im 19. Jahrhundert, richtete der Kapitalismus die Menschen offensichtlich physisch zu Grunde. Alternativen richteten sich darauf, dieses Problem zu lösen: „Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zu Essen bitte sehr…“

Jetzt wird immer deutlicher, dass der Kapitalismus auch der Seele schadet. Nur dass dieses Problem schwieriger ist. Mit Verhungernden geht es nicht. Aber die/wir seelisch Verkrüppelten sind genau das Personal, das den Laden am Laufen hält.