Archiv der Kategorie: zitiert

Krishnamurti

Der Mensch kann nichts anderes sein als das, was er ist.
Was immer er ist, er wird eine Gesellschaft schaffen, die ihn widerspiegelt.
U.G. Krishnamurti

Und den Menschen gibt es nicht. Es gibt Menschen, die sind überzeugt, der Mensch sei des Menschen Wolf und überhaupt ein Kotzbrocken. Es gibt Menschen, die sind überzeugt, der Mensch sei von Grund auf gut. Wieder andere setzen auf den Hype der Epigenetik. Und alle diese Menschen schaffen gemeinsam die Gesellschaft.

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Klassenkampf in der Lagerhalle

Kim Moody sieht in der ak/620 Möglichkeiten für das alte „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ In den neuen riesigen Logistikzentren sieht sie das Potenzial organisierter Arbeiteraufstände, die sehr wirksam sein können:

Waren bewegen sich schneller. Dabei hat sich die Geschwindigkeit von LKWs, Flugzeugen und Zügen nicht verändert. Was sich verändert hat, ist wie die Dinge organisiert sind. Waren bleiben nicht mehr lange in den Lagern. Am Ankunftsbahnhof werden sie innerhalb weniger Stunden auf LKWs umgeladen und weitertransportiert. Dieser Sofortumschlag ist in der Tat eine Entwicklung des 21. Jahrhunderts. Damit er funktioniert, hat die Industrie Logistikcluster geschaffen: riesige Ansammlungen von Warenlagern; Orte, an denen sich Schienen-, Schiff-, Luft- und LKW-Transport treffen und koordiniert werden können.

Jetzt könnte man denken: »Okay, das klingt alles ziemlich nach High-Tech.« Trotzdem braucht man dafür Zehntausende Arbeiter. In den USA gibt es 60 solcher Cluster, aber drei stechen heraus: der Hafen von New York und New Jersey, die Los Angeles und Long Beach Hafenzone und Chicago. Jedes dieser drei Cluster beschäftigt innerhalb eines ziemlich überschaubaren Gebiets mindestens 100.000 Arbeiterinnen und Arbeitern.

Der ganzen Outsourcing-Idee der 1980er lag das Ziel zugrunde, große Arbeiterkonzentrationen in Orten wie Detroit, Pittsburgh oder Gary zu zerschlagen. Nun haben die Unternehmen unbeabsichtigt gewaltige Ballungszentren manueller Arbeiter geschaffen. Das könnte sich für sie als Eigentor erweisen – denn hier gibt es plötzlich das Potenzial, schlecht bezahlte Arbeiterinnen und Arbeiter in großer Zahl gewerkschaftlich zu organisieren.

Der andere Punkt ist, dass diese Cluster durch Just-in-time-Systeme miteinander verbunden sind. Es gibt also Hunderte, vielleicht Tausende hochsensibler Punkte im Transportsystem. Wenn die Arbeit an einem Ort stillsteht, kannst du schnell riesige Gebiete lahmlegen.

Passt gut zu zu „Forces of Labor“ von Beverly J. Silver.

Terror und Aufklärung

Aus eine Interview mit Élisabeth Badinter im PhilosophieMagazin April/Mai 2016:

Elisabeth-badinterFrançois Hollande hat von einer „Kriegssituation“ gesprochen. Was denken Sie über diesen Begriff?
Ich lehne ihn ab. Wir haben es mit Mördern zu tun, nicht mit Soldaten. Mal abgesehen von ihrer Zahl, ihr Verhalten entspricht nicht der militärischen Norm. Der Krieg hat Gesetze. Sie haben keine. Das sind fanatisierte Jungs, denen wirklich der Verstand fehlt – ganz zu schweigen von der Moral. Die barbarischen Akte, die sie begehen, bereiten ihnen ein immenses Vergnügen. Stellen Sie sich vor: Einmal in ihrem Leben sind sie auf Seite eins.

Seit der Aufklärung hat man geglaubt, die Vernunft habe den Kampf gegen die Religion gewonnen. Warum hat sich das Blatt gewendet?
Das Credo ist an die Stelle des Cogito getreten. „Ich denke, also bin ich“ wurde verdrängt von „Ich glaube, also bin ich“. Warum? Der Westen hat alles radikal infrage gestellt: die Familie, die Heirat, das Geschlecht, die Nation und so weiter. Diese Infragestellung unserer am sichersten geglaubten Prinzipien hat viele in Unsicherheit gestürzt. Hinzu kommt die Wirtschaftskrise. Wenn die Welt, sowie sie ist, einen im Stich lässt oder misshandelt, wird man sich der Religion zuwenden – ein Opium, wie jemand anderes gesagt hat. Das bleibt wahr und gilt für Leute aus allen gesellschaftlichen Schichten. Schließlich gab es mit der Auflösung des Vaterlands das Gefühl eines Identitätsverlusts. Eine solide religiöse Praxis gibt einem wieder eine Gemeinschaft und eine Identität.

Dem ist nichts hinzuzufügen.